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Vorurteile
       
Erstaunlicherweise decken sich in einigen wichtigen Punkten feministische Grundannahmen über Prostituierte und deren Kunden mit denen von klassischen Zuhältern, auch wenn beide Gruppen daraus verschiedene Konsequenzen ableiten. Es scheint sogar ein wenig, als hätten die Hardliner-Feministinnen das Bild von der alten, zuhältergesteuerten Prostituierten übernommen.

Solange das erotische Dienstleistungsgewerbe sittenwidrig war und Freudenhausbetreiber sich der "Förderung von Prostitution" strafbar machten, wenn sie für die Dienstleisterinnen angenehme und sichere Bedingungen schufen, war der Anteil der zuhältergesteuerten Prostituierten im gesamten Gewerbe deutlich höher, als das seit der Aufhebung des Sittenwidrigkeitsparagraphen in Deutschland der Fall ist. Sie werden mehr und mehr von selbstbestimmten Frauen, zu denen die meisten Freier wegen der für sie spürbaren Freiwilligkeit lieber gehen, verdrängt.

1. Annahme: 
"Huren sind willensschwach und manipulierbar
."

Der klass. Zuhälter leitet(e) daraus ab:
 ...es ist daher leicht für mich, über sie zu bestimmen und sie auszunutzen, ...


Feministinnen folgern:
 ...und müssen daher von "kompetenter Seite" geleitet und vor sich selbst geschützt werden.


2. Annahme:
"Alle Erotikdienstleisterinnen lehnen ihre Tätigkeit im Grunde ab."
(prostituieren sich wider Willen)

Folgerung des klass. Zuhälters:  ...und fühlen sich deshalb schlecht und schmutzig. Nur Männer wie ich geben ihnen in abgegrenztem Rahmen ein Selbstwertgefühl, solange sie dankbar tun, was uns gefällt.
Wenn nicht, ist es leicht für uns, sie nieder zu machen.

Folgerung der Feministinnen:  ... Man muss die wider Willen Prostituierten schützen, indem man die Freier durch drohende Strafen von ihnen fernhält.


3. Annahme:
"Eine Erotikdienstleisterin empfindet weder Lust noch Freude bei ihrer Tätigkeit."

Das war und ist teilweise immernoch Grundvoraussetzung für das alte, zuhältergprägte Lustgewerbe!
Liess sich in diesem Milieu eine Frau z. B. oral von einem Freier zum Orgasmus bringen und dabei (oft von Kolleginnen!) erwischen, folgten Sanktionen!
Dem klassischen Zuhälter ist es sehr wichtig, dass die für ihn anschaffende Frau keinen Respekt für ihre Freier hat und keine Lust durch sie erlebt, damit sie nicht unter deren Einfluss gerät und darüber womöglich den Ausstieg oder in eine selbstbestimmte Prostitution findet.
Der klass. Zuhälter kann überhaupt seine Existenzberechtigung nur damit begründen, dass er für die Hure als Schutzschild vor den stets zu beargwohnenden Freiern dasteht.

Den fundamentalistischen Feministinnen dient diese Annahme wiederum als Bestätigung dafür, dass man Prostituierte vor dem grundsätzlich stattfindenden Missbrauch durch Freier schützen muss.

 

Ein Argument der Sexkauf-Befürworter:
"Das älteste Gewerbe der Welt wird es immer geben."
ist eine unbelegbare Prognose in die Zukunft. Besagte Feministinnen entlarven diese Aussage zu Recht als Vorurteil.

Daraus aber, ohne fundierte Untersuchung der Voraussetzungen für das Phänomen, nur von der eigenen Lebenspositionierung ausgehend, eine Rechtfertigung für eine Vorgehensweise (nach schwedischem Muster) abzuleiten, ist unsinnig!

Bevor man sich zu einem Eingriff in eine offenbar sehr beständige, gesellschaftliche Institution, wie dem erotischen Dienstleistungsgewerbe entschliesst, sollte man die Motive von Erotikdienstleisterinnen und Freiern wesentlich profunder kennen, als es die fundamental-feministische Seite offenbar tut!

Bisher scheint ihr vorwiegend über den relativ kleinen Anteil der Deliquenten, die bei professionellen Liebesdienerinnen oder Zwangsprostituierten respektlos oder gar gewalttätig sind, etwas bekannt zu sein. In Schweden hat sich durch die im radikal-feministischen Sinne veränderten Gesetze seit 1999 das Erotikdienstleistungsgewerbe weitgehend zur Notprostitution, unter für die Frauen entwürdigenden Vorausstzungen, gewandelt.

das schwediche Sexkaufverbot
 
das schwediche Sexkaufverbot
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