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Fair Paysex gegen Zwangsprostitution  

Der Verein für soziale und politische Rechte von Prostituierten
Doña Carmen

auf seiner Webseite www.donacarmen.de:

Alice Schwarzer & EMMA über Prostitution & Prostituierte:

Lügen, Märchen, Vorurteile


oder nach Gerhard Walentowitz

Jede Lüge braucht eine(n) Skrupellose(n),
der (die) sie ausspricht!


Jede Wahrheit braucht eine Mutige, die sie ausspricht“ - mit diesem Slogan warb BILD vor nicht allzu langer Zeit auf öffentlichen Reklametafeln mit Alice Schwarzer.

Tatsache ist aber, dass Frau Schwarzer hinsichtlich Prostitution stets zur gezielten Verbreitung von Unwahrheiten und Vorurteilen beigetragen hat.
Wer öffentlich einer Ächtung von Prostitution, einer Kriminalisierung von Prostitutionskunden und einer verschärften polizeilichen Kontrolle des Prostitutionsgewerbes das Wort redet, hat offenbar wenig Skrupel, sich dabei ebenso dubioser wie haarsträubender journalistischer Praktiken zu bedienen. Nachfolgend dokumentierte Beispiele machen deutlich, dass es sich bei Schwarzers Einlassungen zu Prostitution durchgängig um einen von Vorurteilen geleiteten, widerlichen Lumpenjournalismus handelt.

In Anbetracht dessen stellt sich die Frage: Was rechtfertigt die Prämierung eines solchen Journalismus? Welche journalistischen Maßstäbe werden mit der Vergabe des Börne-Preises an Schwarzer in dieser Republik eigentlich für salonfähig erklärt?
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SCHWARZER: Die Polizei hat seit Einführung des Prostitutionsgesetzes in diesem Gewerbe „keine Kontrollmöglichkeiten“ mehr. (SPIEGEL online, 31.10.07) Die „Verfolgung von Zuhältern und Menschenhändlern ist durch die Legalisierung der Prostitution fast unmöglich geworden.“ (EMMA, Juli / Aug. 06)

Doña Carmen e.V. führt auf ihrer Website www.donacarmen.de kontinuierlich eine Statistik zu Razzien im Prostitutionsgewerbe. Sie bezieht sich dabei ausschließlich auf die in der Presse dargestellten Großrazzien, enthält also noch nicht die Tausenden alltäglich stattfindenden Kontrollen des Prostitutionsgewerbes. Danach hat es in den Jahren 2000 bis 2007 insgesamt 266 Großrazzien gegeben, von denen rund 380 bundesdeutsche Städte und Gemeinden betroffen waren. Aus der regelmäßigen Auswertung einschlägiger Pressemeldungen geht hervor, dass dabei in den vergangenen 8 Jahren allein 3.185 Objekte kontrolliert wurden. Hochgerechnet auf alle 266 Razzien (nicht zu allen gab es hierzu Angaben), handelte es sich um etwa 575 kontrollierte Objekte pro Jahr. Dabei waren etwa 21.000 Beamte und Polizisten im Einsatz. Bei fast jeder zehnten Razzia (9%) waren Sondereinsatzkommandos (SEK), Mobile Einsatzkommandos (MEK), die Bundespolizei (vormals BGS) und in einem Fall sogar die GSG 9 im Einsatz. Die Zahl der kontrollierten Personen lag im genannten Zeitraum bei etwa 14.000, die der verhafteten Personen (zumeist Frauen) bei etwa 3.700. Die Zahl der beteiligten Beamten pro Razzia sowie die Zahl der kontrollierten Frauen pro Razzia steigt ebenso wie die Zahl der kontrollierten Objekte pro Jahr. Schwarzer lügt also wie gedruckt, wenn sie behauptet, die Polizei habe gegenüber dem Prostitutionsgewerbe „keine Kontrollmöglichkeiten“. Tatsächlich gibt es eine flächendeckende Kontrolle und Diskriminierung, zu der sich die Polizeifeministinnen von EMMA ausschweigen.


SCHWARZER: „Das ganze Rotlichtmilieu ist durch und durch kriminell und gewalttätig.“
(2007, S.140)

Hierbei handelt es sich um ein geradezu klassisches Vorurteil. Im 2007 vorgelegten Bericht der Bundesregierung zu den Auswirkungen des Prostitutionsgesetzes heißt es: „Es gibt keine statistischen Untersuchungen, die detailliert Zusammenhänge zwischen der Prostitution und der Begleitkriminalität“ belegen (S.44). Neuere Veröffentlichungen zur angeblich besonderen Gewaltbelastung von Prostituierten sind nach Angaben der Autorinnen (Zumbeck, Oppenheimer) nicht repräsentativ. Wer daher dem Publikum immer wieder die „Unterwelt der Pornographie, Prostitution und sexuellen Gewalt“ (1994, S.69) vorführt, bedient lediglich das Bedürfnis nach Sex & Crime - auf Kosten der Betroffenen.


SCHWARZER: Prostituierte haben „auch aus Angst vor Gewalt bisher zu dem Thema Zuhälter geschwiegen. Dabei haben etwa 90% aller Prostituierten einen (Zuhälter).“ (2002: S.204)
Einen Beleg für die Zahl „90%“ gab Schwarzer nicht. In einer vom Bundesfamilienministerium herausgegebenen Untersuchung (Oppenheimer, 2004) gaben 94% der Befragten, in Partnerschaft lebenden Prostituierten an, dass der eigene Beziehungspartner kein Zuhälter sei. (S.25). „Der Anteil derjenigen, die angaben mit einem Zuhälter zu arbeiten, ist unerwartet klein.“ Der Begriff des Zuhälters befinde sich im Wandel, seine Eindeutigkeit befände sich in Auflösung. (S.60)


SCHWARZER: „Zuhälter kommen häufig aus den Ex-Militärdiktaturen Osteuropas, knapp jeder fünfte ist inzwischen Türke, Tendenz steigernd.“ (2000, S.144)

Beleg: Die Aussage einer Kölner Polizistin. Dann muss das ja wohl stimmen. Fakt ist: Die erfassten Fälle von Zuhälterei (§181a StGB) sind laut polizeilicher Kriminalstatistik von 1.016 Fällen für das Jahr 2000 auf 422 Fälle (2005) und damit allein in diesem Zeitraum um 62% gesunken.


SCHWARZER: „Unter Rotgrün war Deutschland zur ‚europäischen Drehscheibe für Menschenhandel’ verkommen und einem Eldorado für Zuhälter.“ (2007, S.134)
Die Fälle und Opfer von Menschenhandel sind derart gesunken, dass das Bundesinnenministerium extra aus diesem Grund eine Untersuchung über die Ursachen dieser Entwicklung in Auftrag gab. In der Zeit zwischen 1998 und 2005 nahm laut Polizeilicher Kriminalstatistik die Zahl der Fälle von Menschenhandel um 39% ab, die Zahl der Tatverdächtigen ebenfalls um 39%, die Zahl der mutmaßlichen Opfer von Menschenhandel um 69% und die Zahl der verurteilten Täter um 4%. Auch hier: Der Wahrheitsgehalt der Aussage tendiert gen Null. Im Übrigen: Dirigistische Zuhälterei ist in Deutschland - trotz Prostitutionsgesetz - nach wie vor Straftatbestand.


EMMA: „Nach Schätzungen der Vereinten Nationen werden allein in Europa Jahr für Jahr 500.000 Mädchen und Frauen verschleppt und zur Prostitution gezwungen.“(EMMA, Sept./Okt. 04)
Schwarzer und EMMA stützen völlig unkritisch sich auf das System spekulativer Schätzungen zu Menschenhandel, dass von Insidern als gänzlich unseriös erachtet wird. So räumte Frank Laczko, Chef der IOM-Forschungsabteilung, ein, dass es „größte Wissenslücken“ auf dem Gebiet der Datenerhebung zu Menschenhandel gäbe. Zu den Zahlenangaben der EU-Kommission bezüglich Menschenhandel bemerkte er knapp, es sei völlig unklar, wie diese Zahlen überhaupt zustande gekommen seien. (2002, S. 2 u. Genf, 2005) So bedauerte das Europäische Parlament in einer Entschließung vom Januar 2006 - zum wiederholten Male - „den Mangel an verlässlichen Daten über das Phänomen des Menschenhandels in Europa sowie die Tatsache, dass weder die Kommission noch Europol noch irgendeine andere Einrichtung der EU in der Lage war, konkrete Zahlen über das EU-weite Ausmaß des Menschenhandels zu veröffentlichen, und bedauert insbesondere den Mangel an Daten über stärker gefährdete Gruppen wie Frauen und Kinder… “. All dies hindert EMMA nicht, sich munter an Spekulationen zu beteiligen und derart unseriöse Daten zu kolportieren.


EMMA: Für EMMA ist es „Klartext“, wenn ein Herr Ubben, Chef der Abteilung Menschenhandel beim Hamburger LKA behauptet, dass „95% aller Prostituierten in Deutschland Zwangsprostituierte sind“. (EMMA 1/2007)
Die Zahl der wegen Menschenhandels verurteilten Täter/innen lag in den vergangenen 10 Jahren unverändert zwischen 140 und 150 Personen pro Jahr. Und da laut polizeilicher Kriminalstatistik auf einen Tatverdächtigen jeweils nur ein mutmaßliches Opfer kommt, kann die Zahl der tatsächlich von Zwang und Gewalt betroffenen Prostituierten auch nur in dieser Größenordnung liegen. Bezogen auf 200.000 in der Prostitution tätigen Frauen wären damit also nicht 95%, sondern nur 0,09 % von dem betroffen, was man als ‚Menschenhandel’ bezeichnet. Da Herr Ubben aber jede wirtschaftliche Motivierung zur Migration als „Zwang“ bezeichnet, müsste er konsequenterweise auch sämtliche seinerzeit als „Gastarbeiter“ nach Deutschland gerufenen Migranten als „Opfer von Menschenhandel“ bezeichnen und für deren Rückführung in ihre Heimat eintreten. Auf diesen knallharten Rassismus läuft in der Tat die Position der Polizei und ihrer Feministenfraktion hinaus.


SCHWARZER: „Was den deutschen Prostituierten heute so besonders zu schaffen macht, sind einerseits die willigen, billigen Ausländerinnen… und ist andererseits die Verharmlosung, die neue Gesellschaftsfähigkeit von Prostitution. Das macht die Freier immer hemmungsloser, sie haben nun überhaupt kein Unrechtsbewusstsein mehr.“ (2007, S.133)
Mit rassischen Floskeln werden „willige, billige Ausländerinnen“ im Gegensatz zu den deutschen Prostituierten für eine angebliche Hemmungslosigkeit und mangelndes Rechtsbewusstsein von Prostitutionskunden verantwortlich gemacht. Belege für derartige Behauptungen und Anschuldigungen fehlen. In wissenschaftlichen Freier-Studien wie denen von Velten oder Grenz finden sich dafür keine Anhaltspunkte. Warum ausländische Prostituierte „willig“ seien, wird nicht belegt. Dass sie vor allem „billig“ seien, widerspricht einschlägigen empirischen Studien (J. Henning, 1997, P. Thiee, 2008)
Was bleibt, ist Desinformation und eine Herabsetzung der Betroffenen.


SCHWARZER: Ausländische Prostituierte „werden oft wie Sklavinnen gehalten“. (2007, S. 136 )
Laut BKA-Statistik weiß die große Mehrheit der ausländischen Frauen, dass sie hier der Prostitution nachgehen werden. Dass sie wie Sklavinnen gehalten werden, ist bloßes Gerücht. „Zwischen der absoluten Selbstbestimmung auf der einen Seite und der absoluten Fremdbestimmung auf der anderen Seite besteht ein weites Feld von Möglichkeiten, das es erlaubt, zwischen Sklaverei und Lohnarbeit bzw. Prostitution zu unterscheiden“, erklärt der nicht unbedingt als Anhänger der Prostitution einzuordnende Prof. Renzikowski in seinem Gutachten (2007) für die Bundesregierung. Abgesehen davon: Wer die Verhältnisse in der hiesigen Prostitution mit Sklaverei gleichsetzt, argumentiert völlig unhistorisch und verharmlost im Nachhinein das mit der Sklaverei verbundene menschliche Leid. Hinzu kommt eine Tatsache: Viele ausländische Frauen in der Prostitution verlassen Deutschland nur widerwillig, unter dem Druck von Razzien. So genannte „Hilfsorganisationen“ konstatieren regelmäßig eine mangelnde Aussage- und Kooperationsbereitschaft bereits „befreiter“ Frauen gegenüber Polizei und Behörden. So verhalten sich keine Sklavinnen.


EMMA / SCHWARZER: „Neuerdings werden gezielt schwangere Frauen in westeuropäische Bordelle verschleppt, denn sie genießen dort einen gewissen Abschiebeschutz. Und die Zuhälter verdienen außerdem am Verkauf des Säuglings…“ (EMMA Mai/Juni 2001) „Und so manche wurden regelrecht gekidnappt, mit Gewalt und Chloroform entführt.“ (Schwarzer in EMMA Jan./Febr. 04) „Man vergisst, dass die aus Albanien und Serbien oder der Ukraine importierten Frauen meist zuvor durch Lager geschleust worden sind, in denen sie vergewaltigt, gefoltert und zu Zombies deformiert wurden. So lange, bis sie willenlose Objekte sind, wie in einer Sekte.“ (EMMA, Juli/Aug. 2006) „Wieder einmal ein paar Olgas, Tatjanas und Swetlanas, die sie nach Deutschland gelockt haben – und die hier dann aus ihren Träumen und Illusionen vom guten Job, von der Chance im Westen, im Bett von Freiern aufgewacht sind.“ (EMMA, Jan/Febr. 04)
Im Stil der Sensationspresse werden Horrorstories über Prostitutionsmigrantinnen geliefert, die nicht belegt werden. Unterm Strich aber erscheinen ausländische Frauen immer als die Dummen: verträumt, ohne eigene Entscheidungskraft, willenlos. Untermenschen eben.


EMMA: „3.000 Frauen werden in Hannover während der Expo anschaffen.“ Insgesamt sei bei der Expo in Hannover mit „drei Millionen Freiern“ zu rechnen. (EMMA Mai/Juni 2000)
1999 gab es in ganz Niedersachsen 48 Ermittlungsverfahren wg. Menschenhandels, 2000 gab es 64 Verfahren, davon 37 in Hannover. Während der Expo hat es in Hannover nicht den erwarteten großen Ansturm von Prostituierten gegeben, wie die Polizei nachträglich feststellte. ( u. a. Hamburger Abendblatt, 23.3.2006)


EMMA: Bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 waren „neben Athleten auch Tausende (Zwangs)Prostituierte aus aller Welt stationiert“. (EMMA, Jan./Febr. 2006)
Die Statistik des griechischen Außenministeriums zählte für das gesamte Jahr 2004 lediglich 181 so genannter „Opfer von Menschenhandel“. (Ban Ying e.V., 03.03.06) IOM Athen unterstützte 2004 lediglich 7 so genannte „Menschenhandelsopfer“. (IOM, Sept. 2006)


SCHWARZER: Während der Fußballweltmeisterschaft 2006 sei mit einem „Import von 40.000 Zwangsprostituierten“ zu rechnen, „so schätzt der Deutsche Städtetag“. (EMMA, Jan/Febr.2006)
Erstens stammte diese Schätzung nicht vom Deutschen Städtetag, sondern vom BKA. Zweitens ging es seinerzeit um „40.000 zusätzliche Prostituierte“, nicht aber um „40.000 Zwangs(!)prostituierte“. Nichts als Desinformation und Stimmungsmache für repressive Polizei-Interventionen. Nach der WM ließ das Bundesinnenministerium im Januar 2007 gegenüber dem Rat der Europäischen Union verlauten: „Von den dem Bundeskriminalamt gemeldeten 33 Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung bzw. wegen Förderung des Menschenhandels, die im zeitlichen Zusammenhang mit der WM 2006 stehen, wurden lediglich in fünf Ermittlungsverfahren direkte Bezüge zur WM 2006 angenommen. In diesen fünf Ermittlungsverfahren wurden fünf Menschenhandelsopfer festgestellt..“ Diese Meldung, die zeigt, dass sich die Legende von den „40.000 Zwangsprostituierten“ zur WM 2006 in Luft aufgelöst hatte, befand EMMA selbstredend keiner Erwähnung für würdig.


SCHWARZER: „90 % aller Prostituierten haben laut UN-Studie Missbrauchserfahrungen“. Bei Prostituierten sei also die Zahl der als Kind missbrauchten Frauen dreimal so hoch wie im Bevölkerungsdurchschnitt. (2007, S.132)
Schwarzer verschweigt, um welche UN-Studie es sich dabei handeln soll. In der wissenschaftlichen Literatur zu diesem Thema wird eine solche nicht erwähnt. Lediglich eine Studie von Weißberg spricht von 90% Missbrauchsopfern unter Prostituierten. Die Studie stammt allerdings aus dem Jahr 1985, ist nicht von der UN und bezieht sich nur auf Kanada. Allgemein lässt sich sagen, dass Studien zu diesem Thema aus dem englischsprachigen Raum meist auf kleinen und nicht repräsentativen Stichproben unter drogenabhängigen Straßenprostituierten bzw. solchen Frauen beruhen, die Hilfseinrichtungen aufgesucht haben, und deshalb nicht verallgemeinerbar sind. Selbst in den von erklärten Prostitutionsskeptikern verfassten Studien wird eingeräumt, dass kein systematischer Zusammenhang zwischen Gewalt bei Kindern/Jugendlichen und späterer Berufswahl besteht (so etwa: ‚Teilpopulationenerhebung bei Prostituierten’, im Auftrag des Bundesfamilienministerium, S.83).


SCHWARZER: „Ein sehr hoher Prozentsatz aller Prostituierten rekrutiert sich aus Heimkindern.“ (1975, S.121)
Diese Tatsachenaussage ist in Wirklichkeit bloße Mutmaßung. Eine auf der Befragung von 260 bundesdeutschen Prostituierten beruhende Studie von Leopold/Stefan (1997) ergab hingegen, dass 47% der von ihnen (nicht-repräsentativ) befragten „Frauen mit Prostitutionserfahrung“ durchgängig bei beiden leiblichen Eltern lebten, 7% durchgehend bei der leiblichen Mutter, 2,5% bei Mutter und sozialem Vater, 2% bei Großeltern oder Verwandten, dagegen nur 1% der Befragten durchgehend in einem Heim lebte. 19 % der Befragten waren zeitweilig in einem Heim. (Eva-Projekt, S.18). Die Behauptung von Schwarzer soll nur das Vorurteil nähren, dass die Entscheidung von Frauen für Prostitutionstätigkeit allein sozialer Not geschuldet ist.


EMMA: 1998 räumte eine Studie des Sozialpädagogischen Instituts Berlin“ mit der von der Hurenbewegung verbreiteten Mär auf, „dass sich mit Prostitution viel Geld verdienen lässt.“ (EMMA, Mai/Juni 2001, S.26)
EMMA verschwieg dabei, dass 25 % der in dieser Studie befragten Frauen bereits endgültig aus der Prostitution ausgestiegen waren. 42 % der per Interview Befragten bezog sogar Sozial- bzw. Arbeitslosenhilfe. Das in der Studie ermittelte „geringe Einkommen“ bezog sich mithin a) nicht ausschließlich auf Einkommen aus Prostitutionstätigkeit, sondern b) auf niedrige staatliche Unterstützungsleistungen nach dem Ausstieg aus der Prostitution. Offenbar soll Prostitution so als eine durchgängig unattraktive Armutsprostitution erscheinen.


SCHWARZER: „Studien belegen: 90 % (aller Prostituierten) sind im Alter Sozialhilfe-Empfängerinnen.“ (2007, S.136) „Die meisten Prostituierten aber enden im Elend, nicht nur die billigen vom Strich, sondern auch die teuren in den Salons..“ (2002, S.202)
Auch in diesem Fall konnte Schwarzer ihre Behauptungen nicht belegen. Eine bundesdeutsche Statistik dazu existiert nicht. Der von der Bundesregierung 2007 veröffentlichte Bericht zum Prostitutionsgesetz verweist auf eine (nicht-repräsentative) Erhebung, wonach 45,5 % der Frauen in der Prostitution keine Altersicherung hätten. Auch hier mehr interessierte Stimmungsmache als solide recherchierte Fakten.


EMMA: Seit den 80er Jahren „bestanden deutsche Prostituierte zunehmend auf Kondomen. Auch damit ist es dank Prostitutionsgesetz vorbei.“ (EMMA, Jan/Febr. 07)
Für die Behauptung über den Kausalzusammenhang von Prostitutionsgesetz und mangelnder Kondombenutzung wird kein einziger Beleg angeführt.


EMMA: „95% aller Prostituierten würden aussteigen - wenn sie könnten. Aber die Förderung von Ausstiegshilfen steht nicht im Prostitutionsgesetz.“ (EMMA, Jan/Febr. 2007)
Für diese Aussage fehlt jeglicher Beleg. Die Zahl „95%“ ist frei erfunden. Verwiesen wird dabei auf eine nicht näher genannte „kanadische Studie“. Der Bericht der Bundesregierung zum Prostitutionsgesetz (2007) nennt diesbezüglich keine Zahlen, spricht aber hinsichtlich der vorhandenen Ausstiegsangebote von einem „eher ernüchternden Bild“. (S.33) So groß scheint also der Ansturm auf Prostituierten-Ausstiegsprojekte nicht sein.


EMMA: „Die meisten Prostituierten in Deutschland wollen sich allerdings auch gar nicht verpflichten: zum Zahlen von Steuern, Sozialabgaben und Krankenkassenbeiträgen wie andere Angestellte.“ (EMMA, Mai/Juni 2003)
Der Vorwurf der Schwarzarbeit ist immer populär. Die meisten Prostituierten zahlen aber schon deshalb keine Sozialabgaben, weil sie auf selbständiger Basis arbeiten. Sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse existieren kaum. Daher geht die Behauptung einer mangelnden Bereitschaft von Prostituierten zur Zahlung von Sozialabgaben ins Leere, erweist sich also als pure Demagogie. Ansonsten heißt es im Abschlussbericht der Bundesregierung zum Prostitutionsgesetz: „Es gibt keine Instanzen, die von sich aus Arbeitsverhältnisse auf ihre Sozialversicherungspflichtigkeit überprüfen.“ (S.61) Hinsichtlich der Steuern heißt es dort: „Die Hälfte der Befragten versteuerte ihre Prostitutionseinkünfte nicht.“ Allerdings: „Der Unwille Steuern zu zahlen, resultierte auch aus dem Gefühl der Rechtlosigkeit: ’Keine Rechte, keine Pflichten.’“ (S.174). Auch heute noch sind Prostituierte von steuerrechtlicher Diskriminierung betroffen: in Gestalt der Sonderbesteuerung durch das so genannte „Düsseldorfer Verfahren“ aus dem Jahre 1966. Über diese Diskriminierung schweigt sich die angeblich der Gleichberechtigung verpflichtete EMMA wohlweislich aus.


SCHWARZER: „In der Jugendzeitschrift Bravo, die von 12- bis 13-jährigen gelesen wird, ziert jedes zweite Ausklapp-Poster nicht wie einst, ein Pferd oder ein Rocksänger, sondern ein Mädchen in Nuttenaufmachung.“ (1994: S.94) Schwarzer spricht von „zunehmender Vernuttung der Frauenmode“ (1994, S.66) und einem „Zuhälterlook“. (2000) „Kaufhausdirnen sind aufgezäumt wie Berufsdirnen.“ (1994, S.85)
Zur Verächtlichmachung von Prostituierten ist Schwarzer jedes Mittel recht. So greift sie in ihren Publikationen ständig zurück auf die Sprache der Diskriminierung: Nutten, Dirnen etc. Dass sie damit einer geradezu lächerlichen Geschmacksdiktatur das Wort redet, ist dabei noch das geringste Übel.
EMMA: EMMA ist eine Zeitschrift, „die sich seit ihrer ersten Ausgabe unermüdlich für Prostituierte einsetzt“. (EMMA, Jan/Febr. 2007)

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